04Sept
2013

Von Hitze und vom Teufel

Kenne ich diese Straße? Irgendwie zu schmal als dass es die Thanon Rama IV sein könnte. Und wo ist die Skytrainstrecke die hier gerade eben noch lang führte? Ich bleibe stehen und werfe einen Blick auf die Uhr: Noch 40 Minuten bis mein Zug fährt, eigentlich genug Zeit, aber Bangkok ist groß – zu groß um gedankenverloren dahin zu spazieren. Außerdem herrscht Feierabendverkehr – zu viel Verkehr um unachtsam zu sein.


Mein Rucksack klebt wie ein fettes, organisches Wesen, das eine Heizung verschluckt haben muss an meinem Rücken, mein Tshirt geht gerade eine Metamorphose mit meiner Haut ein. Ich wische mit erst den Schweiß von der Stirn, dann fahre ich mir über mein rechtes Schienbein. Ein Gefühl wie nasses, ultrafeines Sandpapier: Bangkoks Smog ist nicht so unsichtbar wie man glaubt. Dann mache ich kehrt, biege an der Kreuzung richtig ab, überlege kurz ein Taxi zu nehmen (hier durchaus erschwinglich), verwerfe die Idee ob des stop-and-go der Arbeitsweltheimkehrer wieder, lege einen Schritt zu.
30 Minuten später sitze ich im Zug, lobe mich heimlich für die weise Entscheidung kein Taxi genommen zu haben: Bis zum Bahnhof blieb der grell-pinke, japanische Reisebus mein stetiger Begleiter auf Augenhöhe. Mit Hilfe von Deo, einem frischen T-Shirt und der Klimaanlage, die sich zum Ziel gesetzt zu haben scheint, den gesamten thailändischen Dschungel auf Tundraniveau herunter zu kühlen, werde ich wieder Herr der Lage. Zumindest halbwegs.

 

Es ist 9Uhr morgens, die Zugtüren öffnen sich zischend und klackend am Bahnhof Chiang Mai. Nachdem ich die aufdringlichsten Taxifahrer abgewimmelt habe, fahre ich zu Team Quest; hier werde ich die nächsten Monate trainieren. Einer der beiden Gymbesitzer, Joel empfängt mich herzlich, wir kennen uns schon aus dem letzten Jahr. Insgeheim bereue ich dennoch, dass ich ihn nicht kurz vor der Abreise nochmal kontaktiert habe: Die insgesamt recht unspektakuläre Zugfahrt hätte an Thrill gewonnen, würde er mir nicht erst jetzt eröffnen, dass im letzten Monat ganze 11 Züge auf der Strecke Chiang Mai – Bangkok entgleist sein sollen.

Mit Joels Hilfe ist schnell eine sehr nette und günstige Wohnung, in Spaziergangweite vom Gym entfernt, gemietet. Bleibt mir nur zu hoffen, dass ich nicht meine Seele an den Teufel verkauft habe, als ich den in thailändisch gedruckten Vertrag unterschrieben habe – Joel ist Amerikaner und konnte mich auch nur damit beruhigen, dass es bis jetzt bei keinem Schüler hier Probleme gegeben hat. Immerhin zahlt man hier in bar. Hat was direktes. Was glaubwürdiges. Was ehrliches.

 

Einige Besorgungen gemacht, köstliche Früchte und diverse frisch zubereitete Leckereien genossen (das thailändische Essen verdient irgendwann definitiv einen eigenen Blogeintrag) und der Tag nimmt ein ruhiges Ende.


Felix – gar nicht so gejetlaged wie erwartet