Thailand - Train and Travel

"Wer keinen Mut zum Träumen hat, hat keine Kraft zum Kämpfen."

07November
2013

Trotz allem: Dieser Sport bleibt meine Liebe

Als ich mich zu den Klängen meines Handyweckers beginne im Bett zu regen fällt mir gleich etwas auf: Etwas ist da. Etwas ist neu. Etwas, das sich nicht angekündigt hat. Etwas, das ich nicht erwartet habe. Mein Knie fühlt sich steif an – vorsichtig drehe und strecke ich es. Das tut weh.
Missmutig wische ich mir den Schlaf aus den Augen und lange automatisiert nach dem Töpfchen Tigerbalsam auf dem Nachttisch.

Großzügig verteile ich das beißend riechende Wundermittel dort wo das Außenband am Knie entlang läuft. Zum Glück sind die Sinne noch nicht wach genug, dass ich das Kräuterextrakt in seiner vollen Geruchsintensität wahr nehme – das wäre morgens dann doch ein bisschen heftig. Wobei ich mich auf der anderen Seite schon an den konstant in der Luft stehenden Geruch diverser, natürlicher Heilsalben gewöhnt habe.

 

Aus meinen Trainingsjahren in Deutschland war mir das durchaus schon vertraut, dass man bei sechs Einheiten pro Woche tendenziell immer irgendwelche Wehwehchen hat. Man lernt nicht nur damit umzugehen, sondern auch immer besser auf seinen Körper zu hören und ganz nebenbei sammelt man eine Palette an erfolgreichen Behandlungs- und Rehabilitationsmethoden für diverse Verletzungen. Von Verstauchungen, zu Überdehnungen, zu Prellungen über blaue Flecken und Mattenbrand bis hin zu Tape- und Bandagiertechniken zur Stabilisation von Gelenken lernt man so ziemlich alles kennen.

 

Einen großen Schluck aus der Wasserflasche nehmend (hätte ich diese mal besser im Kühlschrank gelagert über Nacht – lauwarm – kein besonders erbauendes Geschmackserlebnis) rappel ich mich auf, schwinge die Beine aus dem Bett und setze mich auf. Fühlt sich eigentlich in Ordnung an: Kein pulsieren im Knie und kein schmerzhaftes Pochen beim Wechsel aus der Waagerechten in die Senkrechten. Vielleicht nur etwas angeschlagen vom Sparring gestern. Mit neu gefasstem Mut erhebe ich mich, belaste das Knie und versuche ein paar Schritte zu gehen.

 

Verdammt! Die Belastung schmerzt, ich kann das Bein weder voll durchstrecken noch anwinkeln – ärgerlich humpel ich grübelnd durch meine Wohnung wie das passiert sein könnte: Gestern Abend hatte ich keinerlei Beschwerden. Weder während des Muay Thai Sparrings bei dem mich wahrscheinlich ein Lowkick ins Knie getroffen hat, noch beim anschließenden Grapplingtraining. So muss das vom Sparring angeschlagene Außenband wohl durch das intensive Takedownstrainieren in der Einheit danach überreizt worden sein.

 

Bei zwei bis drei Trainingseinheiten pro Tag bekommt das ständige Verletztsein eine neue Qualität. Nun muss ich wirklich immer auf irgendetwas acht geben. Und auch, wenn man sich mal unter den Wettkämpfern umsieht: Jeder trägt sein Laster mit sich rum, die meisten tragen Badangen oder Stützverbände während des Trainings. Der Eine am Fuß, der Andere am Ellbogen.
Wenn es um eine Belastung auf Leistungsebene geht ist es wohl meistens nicht mehr gesund für den Körper, ob für den Triathlet, den Kugelstoßer oder den Sprinter. Der Kampfsport fordert nochmal seinen zusätzlichen Tribut durch das Sparring und Kämpfen – man kann sich nicht nur selber verletzen sondern andere arbeiten fleißig daran mit.

 

Trainieren kann ich so nicht. Auch, wenn es am nächsten Tag schon deutlich besser ist, möchte ich das Knie nicht den Belastungen des MMA Trainings aussetzen, weswegen ich statt dessen eine Tour mit meinem neuen Rennrad entlang des Ping, dem größten Fluss Chiang Mais, mache. Eine traumhafte Landschaft bietet sich mir hier und viel Ruhe – es tut gut eine andere Belastung zu fahren als sonst.

Liebe auf den ersten Blick - eine neu entdeckte, großartige Sportart zum Ausgleich


Trotz des Wochenendes und konsequenten Schonens bin ich die Schmerzen noch nicht los geworden. Doch ich sehe es als Chance: Diese Woche konzentriere ich mich voll und ganz auf die Verfeinerung meiner Boxfertigkeiten und lasse jegliche Belastung auf das Knie weg, mit Ausnahme des Fahrradfahrens.

Dieser wundervolle Sport mag vielleicht nicht der schonenste sein, aber ist er so facettenreich, dass es zu fast jeder Verletzung ein Ausweichprogramm gibt.
Wenn diese Verletzung ausgeheilt ist, kann ich auch endlich wieder in Richtung des nächsten Wettkampfes blicken – ich halte euch auf dem Laufenden!