15Sept
2013

Ein Morgen

Tief hole ich Luft, strecke meine Arme und Beine so weit es geht von mir, die Oberschenkel ziehen leicht doch fühlen sich dann herrlich befreit an, als die Streckung nachlässt und der Muskelkater wieder entspannt. Gähnend werfe ich einen Blick auf das Display meines Handys: Sonntag Morgen, halb zwölf, trainingsfreier Tag. Der Ventilator trägt eine erfrischende Brise von der offenen Balkontür herein, der Himmel ist Wolken verhangen, die Temperatur angenehm. Bevor ich aufstehe überlege ich mir noch, ob es etwas wichtiges zu erledigen gibt oder etwas, über das ich mich sorgen könnte. Nach kurzem Grübeln komme ich zu dem Entschluss: Nein. Da ist nichts.

Unter der Dusche befasse ich mich mit der schweren Entscheidung wo ich denn mein Frühstück genießen soll, und vor allem was? Ich könnte gegenüber meiner Wohnung erstmal einen Ice Coffee zum Mitnehmen holen und diesen schlürfend die Straße runter schlendern. Da eröffnen sich dann wenige Meter weiter in der Kurve rechts und links die Möglichkeit nach frietierten Hühnchenschenkeln, -Füßen, Flügeln und Schweinefleischpatties oder geräucherter Fisch am Spieß. So als Appetizer vielleicht gar nicht schlecht.

Neben dem Hühnchenstand gibt es köstliche Suppen, aber danach ist mir heute Morgen nicht. Ein Stückchen weiter die Straße hoch gäbe es dann die ganze Palette: Vom klassischen Pad Thai bis zu gebratenen Meeresfrüchten, Reis mit in Zwiebeln geröstetem Schweineflisch oder Nudeln mit knackig-frischem Gemüse aus dem Wok mit knuspriger Ente, dazu vielleicht einen Dragonfruit-Shake, frisch zubereitet?

Doch mein kulinarischer Tagesbeginn wird von den Eigenheiten der Regenzeit erstmal ein wenig nach hinten verschoben, in der Zwischenzeit mache ich mich mit Nadel und Faden an dem gerissenen Riemen meines Rucksacks zu schaffen. Mit dem Wissen konstruktiv gewesen zu sein mache ich mich auf den Weg, entscheide mich für süß-scharfe Bandnudeln mit Tofu und Hühnchen und werde sogleich in meinem Sonntäglichen Müßiggang von einer neuen Idee heimgesucht: Mein zwickender Trapezmuskel hat etwas gesichtet: Den Thaimassagesalon, keine 400 Meter von meiner Wohnung, gegenüber von der Garküche meiner Wahl heute morgen.

Es bestätigt sich mal wieder, dass es in jeder Hinsicht besser ist in einem Thaiviertel zu leben anstatt im Touristenzentrum, wie letztes Jahr. Man kommt einfacher mit den Menschen ins Gespräch, alles ist günstiger, thailändischer und wie ich auch an der Massage feststellen muss einfach irgendwie besser. Vielleicht "echter"? Zu entspannender Musik und Vogelgezwitscher wird meine Muskulatur erst mit ätherischen Ölen erwärmt, dann durchgeknetet, gedehnt, die Gelenke gekreist und gerüttelt, geknackt und verbogen. Der Muskelkater schleicht davon und wird ersetzt von tiefster Entspannung, zum Abschied unterhalte ich mich bei einer Tasse thailändischem Gewürztee noch mit der Salonbesitzerin und verspreche meine baldige Rückkehr.

Mein Bemühen ein wenig Thai zu sprechen, wird überall freudig aufgenommen und ob Garküchenbesitzer oder Keksbäckerin, jeder gibt sich Mühe meinen Wortschatz zu erweitern. Mit getrockneten Dragonfruitchips und gesüßten Trockenbananen mache ich mich auf den Rückweg zu meiner Wohnung, nicht ohne noch ein halbes fritiertes Hühnchen und einen Ice Coffee mitzunehmen. Ich freue mich jetzt schon auf die anstehende Woche in der ich beginnen werde zwei Mal täglich zu trainieren.

Und für nächstes Wochenende zeichnet sich schon etwas besonderes am Horizont ab, aber dazu die Tage mehr.

 

Felix – mit hochgelegten Beinen

 

Hier findet ihr ein paar Eindrücke von "meiner" Straße und Gegend, u.a. einige der beschriebenen Garküchen und der Blick vom Balkon in den morgendlichen Regenguss.