22Sept
2013

"Are you ready, Fighter?"

--- Wer sich UFC 165 noch nicht zu Gemüte geführt hat, braucht sich nicht zu sorgen, es lässt sich auf kein Ergebnis eines Kampfes schließen durch was ich geschrieben habe. Um den Lesefluss aufrecht zu erhalten habe ich teils fiktive Kämpfernamen verwendet ---

 

"IIIIIITS TIIIIIMEEEEE!" ruft der Ringsprecher der UFC, Bruce Buffer, seine legendäre Eröffnung einem Publikum von fast 20.000 im Air Canada Center in Toronto entgegen und auch einer kleinen Gruppe von MMA Enthusiasten, die sich Sonntag Morgens um 09:00 Uhr im Irish Pub in Chiang Mai versammelt haben. Fast das gesamte Wettkampfteam hat sich aufgemacht dieses Event live am Bildschirm zu verfolgen, mit dem Schweden Alexander Gustafsson besteht wieder die Chance einen Gürtel der mit Abstand bedeutensten MMA Organisation der Welt nach Europa zu holen.

Sonntag ist nicht nur trainingsfrei, es ist auch Cheat-day - die Athleten die für anstehende Kämpfe Gewicht machen müssen dürfen heute auch die kalorienreichen, weniger gesunden kulinarischen Errungenschaften unserer Zivilisation genießen. Bei Fish and Chips, Bacon and Eggs und Erdbeertoast verfolgen wir die explosiven Kämpfe.

Meinen frisch gepressten Orangensaft schlürfend sinne ich an die vergangenen Tage zurück: Hinter uns liegt eine harte Woche Training, für mich war es die erste in der ich zwei Einheiten pro Tag absolviert habe. Jeder Wochentag beginnt mit einem spezifischen Teilbereichtraining für MMA: 2 Tage Boxen, 2 mal Ground and Pound (das Schlagen am Boden), 2 mal Sparring – Übungskämpfe. Nachmittags wechseln sich Grappling (reiner, ringerischer Kampf) und Muay Thai ab. Mit welcher Geschwindigkeit sich mein Körper an Klima und Belastung angepasst hat überrascht mich, erst Donnerstag Morgen, nach einer ein-einhalb stündigen Takedown Tortur am Abend zuvor, fühlt er sich nicht mehr taufrisch an und der Muskelkater beginnt ein ständiger Begleiter zu werden. Die Sprints sind wie befürchtet normaler Trainingsalltag und wechseln sich nach dem Muay Thai mit Kraftausdauerübungen ab.

 "Damn! This is tight!", ertönt Joe Rogans markante Stimme aus den Lautsprechern des Fernsehers. "And Heee puts him asleeep!". Im Schwergewicht verpasst ein Kämpfer den letzten Moment abzuklopfen und wird schlafen geschickt, der Referee springt dazwischen. Applaus und anerkennende Rufe erfüllen den mit irischen Rugby und Fußballtrikots dekorierten Raum.

Das hausgemachte, noch warme Brot war auf jeden Fall sein Investition von knapp 50 Cent wert, denke ich mir schmuzelnd und nehme noch einen großen Bissen. Generell läuft es bisher traumhaft für mich: Mit meinem Leistungsniveau habe ich bei Team Quest genau ins Schwarze getroffen. Die Trainingsgruppe ist meistens maximal 10 Mann stark, die Aufmerksamkeit der Trainer ist gesichert. Während die vom Gym gesponserten Pro´s mich mit moderatem Einsatz verpacken, liefere ich mir mit einer weiteren Hand voll Wettkämpfer sowohl im Stand als auch am Boden Duelle auf Augenhöhe und weniger erfahrene Sportler bieten die Möglichkeit an technischen Finessen zu feilen. Wie bereits die lebende Legende des Sportes Forrest Griffin in seinem Buch "Got Fight?" schreibt: "You want to be somewhere in the middle!".

Mike Miller verschätzt sich was das Ziel des Spinning Backkicks seines Gegners angeht, taucht genau hinein. Die Ferse trifft aus der vollen 360° Drehung auf seine Schläfe, ""IIIIT´s AAALLL over!" brüllt der Kommentator als Miller auf die Bretter geht. Histerische "OOOOOH!" und "God damn it! Awesome!" -Rufe bringen zusammen mit klatschenden Händen den Raum zum erbeben.

Als Kämpfer ist es ein berauschendes Gefühl, wenn man das Publikum begeistern kann. Auch ich werde demnächst wieder meine Chance dazu bekommen: Für den 29., nächsten Sonntag, ist ein Muay Thai Kampf für mich hier in Chiang Mai angesetzt. Schon letzte Woche sind die Trainer an mich heran getreten, eigentlich hätte ich bereits heute in den Ring steigen sollen, die lokalen Promoter haben den Kampf dann erst auf den 25. und jetzt den 29. verschoben. Ich freue mich, mich endlich wieder dieser Herausforderung stellen zu dürfen und das auch noch im Heimatland dieses wundervollen Sportes.


Der Hauptkampf hält was er verspricht, alle fiebern mit, die Luft knistert, Beine wippen unruhig auf Barhockern auf und ab, die allgemeine Anspannung ist zu spüren. Kann Gustafsson die Sensation schaffen und Jon "Bones" Jones den Titel entreißen oder wird der amtierende Champ ein weiteres Mal mit dem Gürtel über der Schulter aus dem Octagon steigen? Jeder Treffer wird frenetisch gefeiert, analysiert, Einschätzungen abgegeben, riskante Aktionen respektvoll be-"wow"-ed. "His defense is astonishing!", "This guy is an animal", und "Come on Gustafsson! I believe in you!" sind zu hören.

Die Spiegelneuronen tuen ihren Dienst, die Hände werden schwitzig, im Hinterkopf habe ich bereits den nächsten Morgen: Das Training geht weiter und die letzte Woche vor meinem ersten Kampf auf thailändischem Boden wird damit eingeläutet. Ich bin top fit und vorbereitet. Nach inzwischen 20 Tagen in Thailand und täglichem Training verspüre ich wieder diesen gewissen Hunger...

 

Das Ergebnis des Hauptkampfes von UFC 165 kann ergoogeln wer möchte, ich verärgere die Leser ungern, die das Event noch gucken möchten, denn es lohnt sich wirklich.

 

Felix – zurück von der Sonntagsmassage