Thailand - Train and Travel

"Wer keinen Mut zum Träumen hat, hat keine Kraft zum Kämpfen."

Berichte von 05/2014

16Mai
2014

Eine Reise - Teil 2 -

... Mein Blick folgt dem Ruf: Um einen hoelzernen Rundtisch herum auf dem ein stattlicher Kohlengrill aufgebockt ist tummelt sich eine Hand voll Laoten in ihren 40igern und 50igern. Mit erhobenen Bierglaesern in denen das Eis klirrend an die Waende schlaegt winken sie mich mit freudigen Gesichtern lachend zu sich herueber. Dabei schwingt der Eine oder Andere seine Hueften mehr oder minder aesthetisch zum Takt des grellen, asiatischen Partygedudels das aus einer veralteten Musikanlage heraus kraechzt.

'Nun gut, auf ein Bier' denke ich mir und schlage die Einladung nicht aus. Noch ehe ich mich versehe habe ich nicht nur ein eiskaltes Bier der Nationalmarke 'Beerlao' in der Hand, sondern auch gleich einen Teller samt Staebchen vor mir auf dem Tisch der sich in Windeseile mit gegartem Gemuese, Nudelsuppe und knusprig gebratenen Bauchspeckstreifen fuellt. Zwar habe ich gerade gegessen, doch die Portionen waren mehr als enttaeuschend, so widme ich mich zwischen Begruessungsfloskeln und eingehender Vorstellungsrunde schon mal intensiv den dampfenden Koestlichkeiten.

In Bruchstueckhaftem Thai und Englisch gelingt auch die Verstaendigung recht vortrefflich, denn das Laotische ist dem Thai sehr eng verwandt, und so wird mein Lob auf Speis und Trank freudig damit quittiert, dass sich mein Becherchen und Tellerchen ausgenblicklich in sich selbst wieder fuellende Mirakel verwandeln. 

Wem es nicht an Musik, Unterhaltung und leiblichem Wohle mangelt, den zieht es nicht so schnell von dannen, und nachdem die Festtagsgesellschaft, die den internationalen Frauentag zelebriert, wie ich ergruende, in ein recht unertraegliches, von Lallen und hysterischem Lachen gepraegtes, Karaokesingen verfallen ist, bald darauf der Hausherr droht mit dem Kopf jeden Augenblick auf die Tischkante zu sinken, ist es ehe man auch nur einen Blick auf die Uhr hat werfen koennen, schon tiefste Nacht, gar frueher Morgen wie ich mich muehsam ueber das zugesperrte Einfahrtstor meiner Unterkunft hieve.

 

Ein anderer Tag, nahe Pakse, Laos

Mich schlaegt es fast vom ledernen Sitz des Motorrollers als das Vorderrad auf kiesigem Grund die Haftung verliert und in eine Furche rutscht, dort hart einschlaegt und ich nur mit beherztem Stemmen meiner Fersen in die zerklueftete Erde mich vor einem Sturz bewahren kann. Eben noch bin ich ueber eine gut asphaltierte Strasse foermlich im kuehlen Morgendwind dahin geflogen, von jetzt auf gleich wandelt sich der Untergrund in staubig, rotes Erdreich; eine Weile sich zahm und eben durch die Landschaft schlaengelnd, dann in abenteuerlichen Steilkurven, Abhaengen und Schlag- wie Wasserloch reiche Pisten sich wandelnd.

Nur vereinzelt bahnt sich jemand zu dieser fruehen Stunde seinen Weg durch die saftig gruene Landschaft. Zu meiner Rechten erstrecken sich weite Felder und Grasland bis zu in einiger Entfernung gewaltig aufragenden Zinnen, die wie der Rueckenkamm einer monstroesen Echse aus dem Boden hervor stossen. Im Schatten der teils mit gigantischen Moosteppichen und anderem wilden Bewuchs ueberwucherten Bergkette grasen vereinzelte Wasserbueffel unter niedrigen Baeumen, lassen sich von der, sich noch vorsichtig ueber den Horizont duckenden Sonne den Ruecken waermen. 
Zur anderen Hand, einige hundert Meter von mir entfernt vielleicht, fliest Er: Der maechtige Strom der sich durch Indochina schlaengelt - der sagenumwobene Mekong zieht stolz und gewaltig, leise und stetig dahin.

Ich laechle bei diesem traumhaften Anblick, wische mir den Staub vom verspiegelten Visier und in tiefem Ausatmen beschwoere ich ihn gedanklich: 'Dir folge ich noch eine Weile mein Freund, bring mich zu meinem Ziel!'

01Mai
2014

Eine Reise - Teil 1 -

Es ist kurz vor zwei Uhr morgens, durch plaerrendes Geschrei werde ich aus meinem doesigen, unsteten Schlaf gerissen. Das Neonlicht brennt grell in meinen Augen und ich kann nur verschwommen erkennen, wie sich die zwei Frauen mit den Koerben durch das ueberfuellte Zugabteil quetschen. 'Warmes Eeeesseeeen!' kreischt die Eine und 'Kalte Getraenke, Coolaaa, Biiiier' die Andere - immer wiederkehrend, im zwei-Sekunden Stakkato in markerschuetternden Oktaven gipfelnd.

Die Holzbank ist unbequem, die Beine sind eng angewinkelt, doch ich kann mich mit meinem Sitzplatz noch gluecklich schaetzen: Dutzende hocken zusammengekauert im Gang und zwischen den Sitzreihen. In knapp stuendlichen Abstaenden wiederholt sich die schlafraubende Prozedur, mit wechselnder Besetzung, jedes Mal, wenn der Zug auf dem Weg von Bangkok in den Osten des Landes, Endstation ist das 600km entfernte Ubon Ratchathani, schnaubend und ratternd in einen Provinzbahnhof einfaehrt.

Dritte Klasse, so geht man schonend mit dem Reisegroschen um, das Ticket hat mich nur ein Drittel des Preises der zweite Klasse Schlafwagenwahl gekostet. Weshalb weiss ich jetzt auch. Doch knapp fuenf Euro fuer die ersten 600km einer geplanten vier Laender und ca. 3000km Tour (schlussendlich sollten es ueber 4000 werden, aber dazu spaeter) ist nunmal ein unschlagbarer Anfang.

 

Der naechste Tag, Abend

Eine rote Staubwolke stiebt auf und pudert meine in Flip Flops steckenden Fuesse augenblicklich in neuem Teint, als ich aus dem Bus auf die Hauptstrasse springe. Pakse, Laos. Die Strasse ist ob ihrer Breite dennoch nicht befestigt, rechts und links liegen vereinsamte Abwasserroehren ungenutzt in wuchtig ausgehobenen Graeben.
Pakse ist ein ruhiges Provinzstaedtchen ganz im Sueden von Laos. Es liegt abseits der ausgetretenen Touristenpfade, aber hat sich unter denen, die sich in die laendlicheren Gegenden Suedostasiens vorwagen, den Ruf eines Dreh- und Angelpunktes fuer Weiterreisen in die Nachbarlaender Vietnam (im Osten), Kambodscha (im Sueden) und Thailand (im Westen) erworben. Keine Grenze ist von hier weiter als 200 km entfernt.

Zusammen mit einem australischen Paerchen mache ich mich auf die Suche nach einer Bleibe fuer die Nacht. Es dauert etwas bis wir fuendig werden, in der Zwischenzeit unterrichten die Beiden mich in den wichtigsten Worten des Laotischen.

Nach einer erfrischenden Dusche aus der Schoepfkelle, geschuldet dem wenig zuverlaessigen Wasserdruck, mache ich mich auf den Weg noch kurz eine Kleinigkeit in einem, hoffentlich nahe gelegenen, Supermarkt einzukaufen.

Das gesamte Staedtchen liegt schon jetzt, um acht Uhr abends still da, die wenigen Geraeusche der langsam vorwaerts holpernden Pick up Trucks und das Scherzen und Lachen der in Cafes zusammen sitzenden Menschen werden von den breiten Strasse und niedrigen Gebaeuden auf magische Art und Weise geschluckt. Immer wieder ist der Gehweg von klaffenden Loechern unterbrochen, halb verfallene Baustellen reihen sich an achtlos zurueckgelassenes Baumaterial. Ein Spielplatz, dessen Klettergerueste und Spielgeraete im orangefarbenen Licht der Strassenlaternen ihre letzte farbliche Pracht zur Schau stellen, wenn sie nicht schon laengst von der Sonne ausgebleicht und vom Rost zerfressen ist, ist hoch ueberwuchert. Ausgetretene Feuerstellen sind haessliche Pockennarben im trockenen Gras und hastig hingeschmierte Graffitis ziehen sich wie unheilvoll geschwollenen Adern ueber das auseinanderbrechende Betonhaeuschens in der Mitte. Pakse gibt ein seltsames Bild ab. Pakse ist lebendig, die Bars sind bevoelkert, die Geschaefte scheinen gut zu laufen, es wird an allerlei Ecken eifrig gebaut und konstruiert aber zur selben Zeit draengt sich mir das Gefuehl auf, hier seien gestern noch die Panzer durchgerollt, haetten Armeen sich bekaempft und fuer Verwuestung gesorgt.

Waehrend ich so unter dem Wechselspiel von Schatten und neuerlichem Lichtkegel der naechsten Strassenlaterne dahin spaziere, reisst mich eine Stimme aus meinen Gedanken: 'He da!' ....